Im internationalen Vergleich gilt der Schweizer Mutterschaftsurlaub als relativ kurz, doch das könnte sich bald ändern – am Mittwoch hat ein überparteiliches Initiativkomitee die Unterschriftensammlung für die im November 2024 angekündigte «Familienzeit-Initiative» lanciert: Beide Elternteile sollen künftig Anspruch auf eine «Elternzeit» von 18 Wochen erhalten. Die Initiative sieht vor, dass dieser Urlaub nicht zwischen den Elternteilen übertragbar ist und grundsätzlich «alternierend zu beziehen» ist – maximal viereinhalb Wochen können gleichzeitig bezogen werden. Überdies soll der Erwerbsersatz für tiefe Einkommen auf 100 Prozent des Einkommens ansteigen: Auf diese Weise soll verhindert werden, dass ärmere Eltern aus finanziellen Gründen auf die Familienzeit verzichten.
Bürgerliche und Arbeitgeberverband leisten Widerstand
Politisch ist das Ansinnen umstritten, wie das Gespräch mit Parlamentariern bereits im November gezeigt hatte – neben der FDP dürfte auch die SVP dagegen kämpfen. Doch auch ausserhalb des Parlaments formiert sich Widerstand: Der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) hält das Vorhaben für «nicht zielführend», wie Barbara Zimmermann-Gerster erklärt. Für die Leiterin der Abteilung Sozialpolitik des SAV steht fest: «Ein ‹Eltern- oder Familienurlaub› entspricht nur einer kurzfristigen Antwort auf die eigentliche Herausforderung: Nämlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.» Vor diesem Hintergrund sei es sinnvoller, Drittbetreuungsangebote auszubauen und flexible Arbeitsformen zu fördern. Längere Abwesenheiten von Mitarbeitenden stellten insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) eine grosse finanzielle und organisatorische Herausforderung dar, erklärt Zimmermann-Gerster. Gemäss «Ecoplan» führe der volle Bezug durch beide Elternteile überdies zu jährlichen Kosten von mehr als 2,3 Milliarden Franken – fast eine Verdreifachung der heutigen Kosten.
Arbeitnehmerdachverband ist anderer Ansicht
Anderer Ansicht ist der Dachverband der Arbeitnehmenden: Travail.Suisse bildet gemeinsam mit Alliance F, den Grünen, den Grünliberalen und den Mitte-Frauen das Initiativkomitee. «Die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit kurz nach der Geburt führt zu Stress und Belastung – deshalb verlängern die meisten Mütter ihren Mutterschaftsurlaub derzeit auf eigene Kosten: Weniger als eine von fünf Frauen kehrt nach 14 Wochen an den Arbeitsplatz zurück», erklärt Kommunikationsleiterin Lisa Schädel. Rund ein Viertel der Väter verzichte überdies gänzlich auf den Vaterschaftsurlaub – dies sei in erster Linie auf finanzielle Überlegungen zurückzuführen: «Die Familienzeit ist wichtig für die Gleichstellung der Geschlechter – die paritätische Elternzeit stellt sicher, dass sich veraltete Stereotypen in der Care-Arbeit wandeln und wir endlich Gleichstellung in Familien erreichen.» Schliesslich wirke das Ansinnen dem Fachkräftemangel entgegen und auch die Kosten seien überschaubar: Im wahrscheinlichsten Szenario gehe «Ecoplan» von jährlichen Zusatzkosten von rund 850 Millionen Franken aus.
Weiterlesen - ein Beitrag von Kaspar Schwarzenbach erschienen am 02.04.25 auf 20min.ch