Das zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS), die am Montag veröffentlicht wurden. Sie machen deutlich, wie viele Menschen hierzulande mit finanziellen Engpässen leben.
708'000 Menschen von Einkommensarmut betroffen
Insgesamt waren rund 708'000 Menschen, oder 8,1 Prozent der Bevölkerung, von Einkommensarmut betroffen. Besonders häufig trifft es Alleinlebende, Einelternhaushalte mit Kindern, Personen ohne nachobligatorische Ausbildung und Haushalte ohne Erwerbstätige. Auch 176'000 Erwerbstätige galten als arm. Das sind 4,4 Prozent aller Berufstätigen. Diese Personen gelten als sogenannte «Working poor». Die Armutsgrenze lag 2023 bei durchschnittlich 2315 Franken im Monat für eine Einzelperson und bei 4051 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern. Davon müssen alle laufenden Ausgaben für Wohnen, Essen, Hygiene und Mobilität bezahlt werden. Krankenkassenprämien, Steuern und Alimente werden vorab vom Einkommen abgezogen.
Zahlungsrückstände nahmen wieder zu
Neben direkter Armut zeigt sich auch eine breite finanzielle Unsicherheit: 10,1 Prozent der Bevölkerung hatten Mühe, bis zum Monatsende durchzukommen. 5,5 Prozent litten unter materieller und sozialer Deprivation. Das bedeutet, dass einem Menschen etwas Wichtiges fehlt, das er zum Leben oder für sein Wohlbefinden braucht. Diese Personen mussten also auf Dinge verzichten, die für andere selbstverständlich sind. Dazu gehören etwa kostenpflichtige Freizeitaktivitäten oder das eigene Geld für kleine persönliche Ausgaben. Zahlungsrückstände nahmen 2023 wieder zu: 6,3 Prozent der Bevölkerung lebten in Haushalten mit mindestens zwei offenen Rechnungen. Besonders oft bei Steuern und Krankenkassenprämien. 2022 lag der Wert noch bei 4,8 Prozent.
Zufriedenheit mit finanzieller Situation sank
Gleichzeitig sank die Zufriedenheit mit der finanziellen Situation: Nur noch 30,3 Prozent zeigten sich 2023 sehr zufrieden – nach einem Höchstwert von 38,2 Prozent im Jahr 2021. Damals hatten viele wegen der Pandemie weniger ausgegeben, was sich positiv auf ihr Empfinden auswirkte. Trotz dieser Herausforderungen liegt der Lebensstandard laut BfS in der Schweiz weiterhin deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Der allgemeine Lebensstandard wird anhand des medianen verfügbaren Äquivalenzeinkommens gemessen, wobei die Preisniveauunterschiede zwischen den Ländern korrigiert werden. In Europa lag dieses Einkommen 2023 nur in Luxemburg, Norwegen und Österreich höher als in der Schweiz.
Weiterlesen - ein Beitrag von Jonas Bucher erschienen am 31.03.25 auf 20min.ch