In der Schweiz leben heute mehr Generationen gleichzeitig als je zuvor. Kinder, Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern teilen über längere Zeiträume hinweg gemeinsame Lebensphasen (Quelle Intergeneration). Diese demografische Entwicklung bringt neue Chancen, aber auch neue Fragen für das Zusammenleben der Generationen.
Intergenerationelle Solidarität beschreibt den gegenseitigen Austausch, die Verantwortung und Unterstützung zwischen verschiedenen Generationen. Sie ist eine wichtige Grundlage für sozialen Zusammenhalt und gesellschaftliche Stabilität.
Intergenerationelle Solidarität zeigt sich dort, wo Generationen einander zuhören, voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen, sei dies im Alltag, in Familien, in Nachbarschaften oder in der Gesellschaft insgesamt.
Sie umfasst unter anderem:
Dabei geht es nicht um Einseitigkeiten, sondern um Wechselwirkungen. Jede Generation bringt eigene Ressourcen, Perspektiven und Bedürfnisse ein.
Generationenbeziehungen haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Längere Lebenserwartung, veränderte Erwerbsbiografien, Mobilität und eine Diversifizierung der Familienformen prägen, wie Generationen heute miteinander verbunden sind. Während in der Schweiz bis in die 1960er-Jahre Mehrgenerationenfamilien in bäuerlichen und gewerblichen Kontexten üblich waren, besteht heutzutage in der Schweiz sowie in west- und nordeuropäischen Familien- und Generationenmodellen ein starker Fokus auf die Kernfamilie, wobei diese in verschiedenen Formen existieren (Quelle Höpflinger 2021).
Viele Beziehungen sind enger und vielfältiger geworden, zugleich stehen Familien und Gemeinschaften vor neuen Herausforderungen, etwa bei der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und persönlichen Bedürfnissen. Intergenerationelle Solidarität entsteht deshalb nicht automatisch, sondern braucht Zeit, Anerkennung und passende Rahmenbedingungen.
Intergenerationelle Solidarität beschränkt sich nicht auf die eigene Kernfamilie. Auch ausserhalb familiärer Beziehungen – etwa in Quartieren, Gemeinden, Vereinen oder generationenübergreifenden Projekten – entstehen wertvolle Begegnungen zwischen Jung und Alt.
Solche Kontakte fördern Verständnis, bauen Vorurteile ab und stärken das Gefühl gesellschaftlicher Zugehörigkeit. Sie zeigen, dass Solidarität zwischen den Generationen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.
Wie Generationen füreinander einstehen können, hängt auch von politischen und sozialen Rahmenbedingungen ab. Bildungs-, Gesundheits-, Sozial- und Altersvorsorgepolitik beeinflussen, wie Lasten und Chancen zwischen den Generationen verteilt werden.
Eine solidarische Gesellschaft berücksichtigt die Bedürfnisse aller Altersgruppen und schafft Strukturen, die Zusammenhalt statt Konkurrenz zwischen den Generationen fördern.
Der Generationenvertrag beschreibt die Idee, dass Generationen gegenseitig Verantwortung füreinander übernehmen, sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf familiärer Ebene (Quelle generationengerecht 2026).
Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt sich dies beispielsweise im System der AHV: Die Erwerbstätigen finanzieren gemeinsam die Renten der älteren Generation (Quelle Informationsstelle AHV-IV 2026). Dahinter steht das solidarische Prinzip, dass jede Generation dazu beiträgt, soziale Sicherheit zu gewährleisten und dies mit dem Vertrauen darauf, später selbst unterstützt zu werden (Quelle: generationengerecht 2026). Dieser Gedanke und fiktive Vertrag prägt auch weitere Bereiche wie Bildung, Pflege, Gesundheit oder soziale Absicherung.
Daneben gibt es den privaten beziehungsweise familiären Generationenvertrag. Dieser zeigt sich im Alltag von Familien, etwa in der Betreuung von Kindern, in der Unterstützung älterer Angehöriger oder im gegenseitigen emotionalen und praktischen Beistand zwischen den Generationen (Quelle generationengerecht 2026).
Grosseltern übernehmen in der Schweiz einen grossen Teil der Enkelkinderbetreuung (Quelle Bundesamt für Statistik 2023 S.6). Laut dem Bundesamt für Statistik betreuten 2023 41,5% der Grosseltern ihre Enkelkinder mindestens einmal pro Woche. Gleichzeitig waren 2023 69% der Bevölkerung der Meinung, dass sich erwachsene Kinder um ihre pflege- und betreuungsbedürftigen Eltern kümmern sollten (Quelle Bundesamt für Statistik 2023 S.28). Schätzungsweise haben dies 2018 592’000 Personen auch getan, wobei dies alltägliche sowie Pflegeaufgaben beinhaltet (Quelle Bundesamt für Gesundheit). Davon waren 49'000 der Personen im Alter von 9 bis 15 Jahren und damit sogenannte «Young Carers» (Quelle Bundesamt für Gesundheit).
Die Einstellungen zu finanziellen Unterstützungshilfen innerhalb der Familie sind zustimmend. 67% der Personen in der Deutschschweiz finden, dass Eltern ihre erwachsenen Kinden bei finanziellen Schwierigkeiten unterstützen sollten. In der Westschweiz sind es 76% und in der italienischen Schweiz 81%, die zustimmen. Umgekehrt finden insgesamt nur 59%, dass erwachsene Kinder ihre Eltern bei finanziellen Schwierigkeiten unterstützen sollten (Quelle Bundesamt für Statistik 2023 S. 28).
Insgesamt wird ersichtlich, dass ein Grossteil der Pflegeleistungen sowie eine grosse finanzielle Unterstützung innerhalb der Familie erfolgt – insofern die Ressourcen in der Familie vorhanden sind.
Altersdiskriminierung kann Personen jeden Alters treffen. Sie beinhaltet Stereotype, Vorurteile und diskriminierendes Verhalten basierend auf dem Alter. Im Alltag zeigt sie sich oft durch diskriminierende Aussagen, im Arbeitsleben kann sie als Altersgrenzen in Stelleninseraten auftreten und im öffentlichen Raum zeigt sie sich durch fehlende altersgerechte Infrastruktur (Quelle Intergeneration).
Eine generationenfreundliche Gesellschaft setzt sich deshalb dafür ein, dass Menschen aller Altersgruppen gleichwertig am gesellschaftlichen Leben teilhaben können; mit Zugang zu Arbeit, Bildung, Gesundheit, Mobilität und sozialer Teilhabe.
Um das Engagement von pflegenden Angehörigen zu koordinieren und zugleich dem Personalmangel im Pflegebereich sowie den Schwierigkeiten und Risiken, die mit der Tätigkeit als pflegende:r Angehörige:r verbunden sind, entgegenzuwirken, hat das Bundesgericht im Jahr 2019 die gesetzlichen Grundlagen für deren Anstellung, auch ohne Pflegeasubildung, bei Spitex-Organisationen festgelegt. In diesem Factsheet stellt Pro Familia Schweiz deshalb die Eckdaten und rechtlichen Rahmenbedingungen vor, welche die Anstellung bei Spitex-Organisationen als pflegende Angehörige betreffen. Zudem werden die Chancen und Risiken dieser Anstellungsform analysiert und konkrete Massnahmen und Tipps für pflegende Angehörige und ihre Arbeitgebenden aufgezeigt, die dabei helfen sollen, die Verpflichtung gegenüber der Spitex und ihre persönliche Rolle mit der betreuten Person vereinbaren zu können. Mehr erfahren
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