Armut ist oft unsichtbar, ihre Folgen sind jedoch tiefgreifend und prägen viele Lebensbereiche. Sie kann dazu führen, dass Menschen nur eingeschränkt Zugang zu grundlegenden Ressourcen wie angemessenem Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Bildung oder sozialer Teilhabe haben.
Armut betrifft Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen, etwa nach einer Trennung, bei einer Erkrankung, bei Behinderung, aufgrund von Care-Verantwortung oder bei unsicheren Arbeits- und Wohnverhältnissen. Sie ist nicht das Ergebnis individuellen Versagens, sondern entsteht durch das Zusammenspiel persönlicher Umstände und struktureller Bedingungen wie steigenden Lebenshaltungskosten, ungleichen Chancen und fehlender sozialer Absicherung. (Quelle Caritas)
Es gibt keine objektive Definition von Armut. Das am meisten verbreitete Konzept von Armut ist der Capability-Ansatz von Amartya Sen. Danach gilt ein Mensch als arm, wenn seine Möglichkeiten eingeschränkt sind, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Jeder Mensch hat demnach ein «Capability Set», also ein individuelles Spektrum an Handlungs- und Verwirklichungschancen. Je grösser dieses ist, desto höher ist sein Wohlstand (Quelle BSV 2025).
Armut bedeutet deshalb mehr als ein tiefes Einkommen. Sie beeinflusst auch die Chancen auf Bildung, Gesundheit, Wohnen, soziale Beziehungen sowie die Möglichkeit, am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben teilzuhaben.
Zur Messbarkeit von Armut werden dennoch häufig finanzielle Kriterien verwendet. 2024 waren in der Schweiz 8,4% der ständigen Wohnbevölkerung in Privathaushalten bzw. 743'000 Personen von Einkommensarmut betroffen. Die finanzielle Armutsgrenze betrug durchschnittlich:
Diese Definition richtet sich nach den Leitlinien der Konferenz für Sozialhilfe (SKOS).Diese Beträge stehen nach Abzug von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen, Krankenkassenprämien und Alimenten für den gesamten Lebensunterhalt inkl. Wohnkosten zur Verfügung. (Quelle BFS) Dies verdeutlicht, wie knapp die finanziellen Spielräume vieler Haushalte sind.
Ein erhöhtes Armutsrisiko haben unter anderem Einelternhaushalte, Familien mit mehreren Kindern, Personen ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss, Personen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderungen sowie Personen, die nicht oder nur eingeschränkt erwerbstätig sein können. Auch Trennungen, Scheidungen, Krankheiten, Betreuungs- und Pflegeverantwortung oder andere einschneidende Lebensereignisse können das Armutsrisiko deutlich erhöhen.
Armut ist dabei ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt. Insbesondere im Alter sind Frauen deutlich häufiger von Armut betroffen als Männer. Ein wesentlicher Grund dafür ist die nach wie vor ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit (Quelle BSV 2025). Frauen übernehmen den grösseren Teil der unbezahlten Betreuungs- und Pflegearbeit und reduzieren deshalb häufiger ihre Erwerbstätigkeit oder steigen zeitweise ganz aus dem Erwerbsleben aus.
Teilzeit kann für viele Familien ein wichtiges Modell zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sein. Da Teilzeitarbeit in der Schweiz jedoch immer noch überwiegend von Frauen geleistet wird, trägt sie gleichzeitig zur Verstärkung bestehender geschlechtsspezifischer Ungleichheit bei. Geringere Einkommen, eingeschränkte Karriere- und Weiterbildungsmögilchkeiten sowie tiefere Beiträge an die Altersvorsorge können dazu führen, dass sich finanzielle Unterschiede über den gesamten Lebenslauf hinweg verfestigen. (Quelle Pro Familia 2025)
Von Armut betroffen sind jedoch nicht nur Erwachsene, sondern ganze Familien. Kinder tragen keine Verantwortung für die finanzielle Situation ihrer Familie, sind von deren Auswirkungen jedoch unmittelbar betroffen. Finanzielle Einschränkungen können den Zugang zu u.a. Bildung, Freizeitangeboten, gesunder Ernährung, sozialen Aktivitäten oder angemessenem Wohnraum erschweren. Dadurch können sich die Entwicklungs-, Bildungs- und Teilhabechancen der Kinder nachhaltig verschlechtern.
Das Wichtigste ist, dass Sie schnell – und ohne zu zögern – Hilfe holen. Viele Menschen glauben, sie hätten die Situation in ein paar Monaten wieder im Griff. In der Realität dauert es aber meist um Einiges länger. Tipps für Ihr persönliches Familienbudget:
Beratungsstellen für Sozialhilfebeziehende
Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) bietet selber keine Beratung für Sozialhilfebeziehende und ihre Angehörigen an. Sie vermittelt aber Adressen von privaten und öffentlichen Beratungsstellen sowie von Ombudsstellen, die diese Aufgabe übernehmen. Ebenfalls zur Verfügung stehen die Adressen von Sozialdiensten der Gemeinden und Regionen, an die sich Betroffene wenden können. Mehr erfahren
Online-Schuldenberatung der Caritas
Über Geld spricht man nicht. Über Schulden noch weniger. Auf der Webseite der Caritas Schweiz finden Sie viele nützliche Informationen rund um die Themen Geld, Budget und Schulden. Die Onlineberatung der Caritas ist kostenfrei und anonym. Ihre Frage wird in der Regel werktags innerhalb von 24 Stunden von Fachleuten der Caritas Schuldenberatung und anderer Fachstellen beantwortet. Kontakt aufnehmen
Beratungsstellen für Finanzen und Schulden
Seriöse Beratungsstellen sind oft überlastet. Haben Sie Geduld und machen Sie mehrere Anläufe. Bereiten Sie sich auf eine Beratung vor: Gewinnen Sie einen Überblick über Ihre Schulden, Ihre Verträge, Rechnungen, Mahnungen etc.
a) Kontaktieren Sie Ihre Wohngemeinde
Das Unterstützungsangebot ist je nach Wohngemeinde sehr unterschiedlich. In einem ersten Schritt sollten Sie sich daher an Ihre Wohngemeinde wenden und abklären, welche Unterstützungsangebote vorhanden sind.
b) Kontaktieren Sie Ihren Wohnkanton
Jeder Kanton verfügt über eine individuelle Leistungspalette und eigene kantonale Gesetzgebungen zur Regelung seiner bedarfsabhängigen Sozialleistungen. Entsprechend gross sind die kantonalen Unterschiede. Das Bundesamt für Statistik (BFS) listet die unterschiedlichen kantonalen Bedarfsleistungen im Inventar der Sozialhilfe: BFS: Inventar der Sozialhilfe. Wenden Sie sich an Ihren Wohnkanton, um abzuklären, welche Unterstützungsangebote vorhanden sind.
c) Kontaktieren Sie Ihr regionales Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) falls Sie arbeitslos sind oder demnächst werden
Personen, die arbeitslos sind, erhalten unter bestimmten Voraussetzungen eine Arbeitslosenentschädigung. Falls Sie arbeitslos sind oder demnächst werden, kontaktieren Sie bitte (je nach Wohnkanton) entweder Ihre Wohngemeinde oder das zuständige regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV). Bitte melden Sie sich möglichst frühzeitig, jedoch spätestens am ersten Tag, für den Sie Leistungen der Arbeitslosenversicherung beanspruchen. Bei der Anmeldung wird Ihnen das weitere Vorgehen erläutert und Sie können Ihre Arbeitslosenkasse frei wählen.
d) Kontaktieren Sie verschiedene Hilfswerke und Stiftungen
Eine bezahlbare Wohnung zu finden und ein dauerhaftes Zuhause in unserer Gesellschaft zu erhalten, sind eine wichtige Grundlage für die soziale und wirtschaftliche Teilhabe. Caritas fördert die Chancengleichheit für Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt sind. Das Projekt «Wohn-Fit» der Caritas Zürich berät und begleitet von Armut betroffene Menschen bei der schwierigen Suche nach bezahlbaren Wohnungen. Die Beratung erfolgt durch Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, die längerfristige Begleitung durch Freiwillige. Zurzeit sind Angebote im Bereich Wohnen nur in den Kantonen Aargau und Zürich verfügbar und unterscheiden sich je nach Region.
Haushalte können trotz Erwerbsarbeit armutsbetroffen sein. Die genaue Definition von Erwerbsarmut (Working Poor) kann sich je nach Armutsschwelle und Perspektive unterschieden. Individuell gesehen sind Working Poor Personen mit einem Einkommen, welches unterhalb eines festgelegten Prozentsatzes des Medianeinkommens liegt. Auf Haushaltsebene sind Working Poor Personen in Erwerbsarbeit, welche in einem Haushalt leben, dessen verfügbares Haushaltseinkommen unter der Armutsgrenze liegt. Relevant ist jedoch nicht nur das Einkommen, sondern auch das Verhältnis des Einkommens zum finanziellen Bedarf des Haushalts. (Quelle BSV 2025)
Wer überschuldet ist, nimmt oft teure Kredite auf, um alte Schulden abzuzahlen. Doch damit verschärft sich das Problem. Die Caritas und die Alternative Bank Schweiz ermöglichen Betroffenen einen Neustart – mit zinslosen Darlehen und der Übernahme von Prozesskosten. Wichtig: Gesuche können ausschliesslich Fachpersonen der Schuldenberatungsstellen (Mitglieder des Dachverbands Schuldenberatung Schweiz) stellen. «Neustart» nimmt keine direkten Anfragen von betroffenen Personen entgegen. Mehr erfahren
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