Beispiele Guter PraxisStrategie der Gemeinde zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie zur Unterstützung von Familien

Strategie der Gemeinde zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie zur Unterstützung von Familien

Die Stadt Mendrisio verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und ergreift sowohl innerhalb der Stadtverwaltung als auch gegenüber den Einwohner:innen entsprechende Massnahmen. Das Modell sieht Schulungen, gesetzliche Anpassungen und Unterstützungsprojekte für das Personal vor, ergänzt durch Initiativen und Dienstleistungen für Familien, mit besonderem Schwerpunkt auf der Unterstützung von Müttern sowie pflegenden und betreuenden Angehörigen. Darüber hinaus dient ein ausserschulischer Aktionsplan, der unter Einbeziehung verschiedener Akteure ausgearbeitet wurde, als Leitfaden für den Ausbau und die Verbesserung der Dienstleistungen für Kinder und Eltern.

Beweggründe

Der erste Gleichstellungsbericht der Stadt Mendrisio (2020) zeigte die Dringlichkeit auf, die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben besser zu adressieren, insbesondere für Frauen, die nach wie vor den Grossteil der Care-Arbeit übernehmen.

Um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und den demografischen Herausforderungen zu begegnen, entschied die Gemeinde, auf mehreren Ebenen zu handeln, die Dienstleistungen zu verbessern und eine inklusivere Organisationskultur innerhalb der Verwaltung zu fördern.

Beschreibung

Die Stadt Mendrisio verfolgt einen vielschichtigen Ansatz zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, der sowohl innerhalb der Verwaltung als auch gegenüber den Einwohnenden umgesetzt wird.

Intern wurden die Bedürfnisse der Mitarbeitenden hinsichtlich der Vereinbarkeit mittels einer Umfrage erfasst. Dafür erhielt die Stadt die Zertifizierung „Family Score” von Pro Familia. Auf Basis der Umfrageergebnisse wurden verschiedene Massnahmen eingeführt:

  • Schulungs- und Informationsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit externen Einrichtungen zu Themen wie Elternschaft, Pflege, Rückkehr an den Arbeitsplatz sowie Überarbeitung der internen Vorschriften für Urlaub für pflegende Angehörige.
  • Sensibilisierungsprojekte mit Veranstaltungen für alle Mitarbeitenden, einschliesslich Lehrkräfte und Erzieher:innen der städtischen Kindertagesstätte.
  • Aktualisierung der Personalordnung (ROD) mit stärkerer Berücksichtigung der Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen.

Diese Massnahmen richten sich an alle kommunalen Mitarbeitenden, inklusive Teilzeitbeschäftigten, werdenden Eltern und Personen, die Pflegeaufgaben wahrnehmen.

Nach aussen hin hat die Stadt Sensibilisierungsinitiativen zur Rolle pflegender Angehöriger gefördert und das Projekt «Donne al lavoro» (Frauen im Beruf) organisiert, ein Orientierungs- und Unterstützungsangebot für Mütter, die wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen möchten.

Von strategischer Bedeutung war auch die Arbeit am Aktionsplan für den ausserschulischen Bereich, der von einer internen multidisziplinären Gruppe ausgearbeitet wurde. Der Plan wurde in mehreren Phasen entwickelt:

  1. Soziodemografische Studie zur Bewertung der Entwicklung der Schulbevölkerung (0-14 Jahre) in den Stadtteilen;
  2. Erhebung von Daten über informelle Unterstützung mittels Fragebögen, die an über 500 Familien mit in der städtischen Schule eingeschriebenen Kindern verteilt wurden;
  3. Online-Umfrage unter 3’641 Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 15 Jahren, um den Bedarf an Kinderbetreuungs- und Freizeitangeboten zu ermitteln;
  4. Partizipativer Workshop mit über 30 Akteuren (Schulen, Vereine, Eltern, lokale Einrichtungen), zur Validierung der Analysen und Festlegung der Prioritäten.

Es wurde ein Aktionsplan mit kurz-, mittel- und langfristigen Massnahmen zur Verbesserung und Erweiterung der ausserschulischen Angebote ausgearbeitet. Dazu gehören verbesserte Kantinen, verlängerte Sommerkindergärten und eine neue Kindergartenabteilung mit verlängerten Öffnungszeiten. Der Plan sieht ausserdem die Stärkung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Familien, die Suche nach alternativen Räumlichkeiten, Sensibilisierungsmassnahmen und zukünftige Investitionen in kinder- und elternfreundliche Einrichtungen vor.

Schliesslich hat die Stadt 2024 im Rahmen der nationalen Initiative «Familien. Die Vergangenheit erkunden – die Zukunft gestalten» eine Sensibilisierungskampagne mit einer Fotoausstellung und fünf Veranstaltungen zum Thema Familienmodelle und Fördermassnahmen durchgeführt.

Ergebnisse

Die Stadt erhielt die Auszeichnung «Family Score» von Pro Familia Schweiz. Die internen Massnahmen erhöhten das Bewusstsein des Personals für Themen wie Elternschaft und Care-Arbeit. Das Projekt «Donne al lavoro» wurde zweimal durchgeführt und erreichte 26 Teilnehmerinnen. Die ausserschulische Umfrage generierte 820 Antworten (22,5% Rücklaufquote) mit wichtigen Daten. Dieser Prozess stärkte zudem die politische Sensibilisierung für Familienthemen und festigte die Grundlage kommunaler Familienpolitik.

Empfehlungen

Massnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie können Unternehmen zahlreiche Vorteile bringen, indem sie die Produktivität steigern, Fehlzeiten reduzieren und das Image des Unternehmens stärken. Die Einführung von Massnahmen wie flexiblen Arbeitszeiten, agiler Arbeit und Elternzeit kann die Motivation und das Engagement der Mitarbeitenden steigern und ein positiveres und attraktiveres Arbeitsumfeld schaffen.

Zusammenfassend sind dies einige der wichtigsten Vorteile:

  • Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, werden für Talente attraktiver und heben sich als Arbeitgebende hervor, denen das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden am Herzen liegt.
  • Steigerung der Produktivität: Zufriedene und weniger gestresste Mitarbeitende sind produktiver und motivierter, wodurch auch das Risiko von Fehlern und Arbeitsunfällen sinkt.
  • Reduzierung von Fehlzeiten: Flexibilität und Unterstützung für familiäre Bedürfnisse verringern die Abwesenheit von der Arbeit aus persönlichen oder familiären Gründen.
  • Verbesserung des Betriebsklimas: Ein Arbeitsumfeld, das die Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigt, fördert die Zusammenarbeit, das Vertrauen und das allgemeine Wohlbefinden und trägt zu einem positiven Klima bei.
  • Unternehmensimage: Vereinbarkeitsmassnahmen können das Image des Unternehmens in den Augen der Öffentlichkeit und der Gesellschaft insgesamt verbessern, indem sie ein starkes Engagement für das Wohlbefinden der gesamten Gemeinschaft demonstrieren.
  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Unternehmen können die Vereinbarkeitsmassnahmen wählen, die für ihre Grösse, ihre Branche und ihre spezifischen Bedürfnisse am besten geeignet sind, und so massgeschneiderte Lösungen finden, die sowohl dem Unternehmen als auch den Mitarbeitenden zugutekommen.
  • Geringere Fluktuation: Ein Arbeitsumfeld, das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt, kann die Fluktuation verringern, indem es Mitarbeitende länger im Unternehmen hält und Kosten für die Einstellung und Einarbeitung neuer Mitarbeitenden einspart. 
  • Innovation und Kreativität: Weniger gestresste und motiviertere Mitarbeitende sind eher bereit, innovative Ideen einzubringen und sich aktiv an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, was zu mehr Kreativität und Wettbewerbsfähigkeit führt.

Kategorien

Frauen in Führungspositionen Aktive Unterstützung der Mitarbeiter/innen Flexibilität bei der Arbeitsorganisation Berufstätigkeit und Pflege von Angehörigen

Branche

Öffentliche Verwaltung

Unternehmenskategorie

Öffentliche Hand / Verwaltungen

Kanton

Tessin

Anzahl Mitarbeitende

500

Kontakt

Municipio di Mendrisio Via Municipio 13 6850 Mendrisio

Tiziana Madella,
Direttrice Socialità e pari opportunità
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.